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Strom

Ruhe aus der Sonnenkraft

 

Ariane Nussbaum und Urs Ryf sind mit ihrem Haus im Spitalacker von Jegenstorf zu Helden geworden: Das Paar hat den Energie Award 2017 der Elektra und der Energieregion Bern­Solothurn gewonnen. Es lebt seinen Traum vom nachhaltigen Leben.

Hier wohnen Helden: mit ihrem Haus im Spitalacker von Jegenstorf haben Ariane Nussbaum und Urs Ryf gezeigt, wie nachhaltige Nutzung von Energie und Lebensfreude zusammengehen.

 

Die Kois ziehen von Goldfischen umschwärmt ihre Runden im Teich. Ariane Nussbaum sitzt auf dem blauen Bänkli auf dem Platz vor dem Wintergarten, «unserem Wohnzimmer». Mikesch, die Katze, schläft drinnen im Haus. Die Tierärztin lässt den Blick über ihren kleinen Garten schweifen, die Oase der Ruhe, an den hängenden Sonnenblumen vorbei, aus denen Distelfinke die letzten Kerne picken. Herbst. Wolken verdecken die Sonne. Sie schaltet ihr Tablet ein. Plötzlich hellt es auf. Die Batterieanzeige springt auf 100 Prozent. «Wir sind energieautark!» Sie ist immer noch fasziniert von der Technik, die Strom aus der Natur gewinnt. Seit sie und ihr Lebenspartner Urs Ryf in ihrem schönen Heim den Strom fast vollständig selbst produzieren und verbrauchen, ist die App ihr ständiger Begleiter; sie zeigt die zahlreichen Kennzahlen der von der Elektra gebauten Anlage in Echtzeit an. Wie hoch die Solarstromproduktion, der Tagesverbrauch, wann die günstigste Gelegenheit zum Einschalten der Kochplatte oder der Waschmaschine ist. «Wir leben sicher bewusster damit», sagt sie.

 
Solarpanels auf dem Dach eines Einfamilienhauses

Solarstrom in sonnenarmer Zeit

Die Batterie erlaubt es dem Solarstromproduzenten, den erzeugten Strom auch zeitversetzt zu nutzen – vor allem am Abend, wenn die Sonne nicht mehr scheint, der Verbrauch aber am höchsten ist. Oder im Falle einer Netzstörung. Und je höher der Eigenverbrauch ist, desto günstiger wird  der Strom. Die Elektra nutzt Stromspeicher, die von der Berner Fachhochschule in Burgdorf wissenschaftlich getestet und auf Herz und Nieren geprüft worden sind. «Die Technik hält, was sie verspricht», sagt Konrad Bossart, Leiter Verkauf der Elektra.

 

Logisches Engagement

Ryf setzt sich zu ihr auf die blaue Bank. Er nutzt anstelle von Apps seine sieben Raspberry Pi, modulare Minicomputer zum Selberprogrammieren. Er liest mit ihnen die Daten des Wechselrichters aus, die Wassertemperatur im Teich und andere Werte. «Unser Haus wird immer smarter», lacht der Elektroingenieur, der im Qualitätsmanagement einer Firma für Automation in Schienenfahrzeugen arbeitet. Mit seinem Hybridauto legt er täglich einen Arbeitsweg von 20 Minuten zurück. Mit dem Zug sei es mehr als eine Stunde. Den würde er eigentlich lieber nehmen.

Vor vier Jahren übernahm das Paar das Haus von seinen Vorgängern, die in die nahe Seniorenresidenz gezogen sind. Diese waren so weitsichtig gewesen, sich bereits 1991 von Solarpionier Josef Jenni eine Solarthermieanlage mit 2000 Liter Speicher bauen zu lassen, die auch heute noch klaglos das Warmwasser aufbereitet. Pioniergeist beweist auch das Paar Ryf und Nussbaum. Urs Ryf war schon als Student am «Tech» in Burgdorf fasziniert von der nachhaltigen Technik. «Für mich gehört ein energiebewusster Lebensstil einfach dazu», sagt er und wehrt – wie Ariane Nussbaum auch – Vermutungen ab, sie seien doch Grüne im Herzen. «Nein, nein, grün ist nur unser Garten, in dem wir beide gerne zusammen arbeiten», sagt Ariane Nussbaum. Er pflichtet ihr bei: «Wir müssen auf nichts verzichten.» Schon gar nicht aufs gemeinsame Kochen, obwohl sie in der Küche den höchsten Energieverbrauch messen.

Sie wollten im ersten gemeinsamen Eigenheim von Anfang an alles richtig machen. Sie holten Offerten ein, und schliesslich erhielt die Elektra den Zuschlag für den Bau der Anlage, die heute 6370 kWh Strom pro Jahr gewinnt. 70 Prozent des Energiebedarfs des Gebäudes decken Urs Ryf und Ariane Nussbaum aus der eigenen Produktion. Die Solarthermieanlage spart 600 Liter Heizöl ein. Den Ersatz der alten Ölheizung planen die beiden Energiehelden als Nächstes. Ihr Traum ist der Anschluss an die nahe Fernwärmeleitung. Dafür suchen sie im Quartier noch Mitstreiter. «Die komplette Selbstversorgung ist unser Ziel», sagen sie unisono. «Als Helden fühlen wir uns nicht»

 
 

Freude über den Preis

Bei aller Bescheidenheit war die Freude über den Energie Award 2017 im Hause gross. «Das hätten wir nicht erwartet», sagen beide, sie würden nur das Selbstverständliche tun. Es bringt ihnen nebst dem guten Gewissen auch eine tiefere Stromrechnung ein und Vergütungen der Elektra, denn im Sommer produziert die PV­Anlage so viel Strom, dass praktisch kein Netzstrom bezogen werden muss und sogar Überschüsse ins Elektra­Netz anfallen. Dank der Lithium­Phosphat­Batterie, «die tadellos funktioniert», sagt Urs Ryf. 13 000 Franken hat sie gekostet, rund ein Drittel des Gesamtbudgets, «eine sinnvolle Investition», sagt er. Sie vermag den Tagesbedarf zu speichern, «und ihr Strom ist günstiger als derjenige aus dem Netz». Mit leisem Stolz fügt Ariane Nussbaum an: «Und es war die erste in Jegenstorf installierte Batterie.» Sie erinnert sich daran, wie genau der Elektriker die Pläne studieren musste. «Es hat dann alles wunderbar geklappt», sagt Urs Ryf und lobt die Arbeit der Elektra als Generalunternehmerin. Ihm gefällt auch, dass sie mit lokalen Partnern zusammenarbeitet. «Das ist vorbildlich.» So vorbildlich wie das Paar, das hier im Spitalacker eine Oase der Ruhe aufbaut, einen Naturgarten mit lichtdurchflutetem Wohnzimmer. Es studiert täglich den Verbrauch und die Produktion der Anlage, um das eigene Verbrauchsverhalten zu optimieren. «Das ist wie ein Spiel!»

Sie lächeln einander zu auf der blauen Bank, blicken über ihr kleines Paradies, in dem Kois unablässig ihre Runden ziehen und die Batterie in der Autogarage speichert, was die Sonne spendet. Die Wolken schieben sich wieder vor die Sonne, und sie schaltet ihr Tablet aus.

STROM

Dieser Artikel ist im Strom-Magazin 4-17 erschienen.

 

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